Seinesgleichen geschieht

Im Land der lächelnden Unschuldsvermutung

Der Kommentar des Chefredakteurs

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Vor ein paar Jahren habe ich einem Essay über Österreich den Titel „Das war niemand“ gegeben. Ein ähnliches Gefühl habe ich jede Woche. Nie ist es irgendjemand gewesen, nie wird einer überführt. Die frechsten Verbrechen geschehen am helllichten Tag, die Täter werden nicht nur nicht verfolgt, sie gelten manchen nach wie vor als Rollenvorbild. Das hat etwas zu bedeuten, denn unsere Gesellschaft wird nur durch Rollenspiel zusammengehalten. Wenn im Straßenverkehr nicht alle brav die Rolle von Leuten spielen, die sich dem unterordnen, was diverse Signale und Linien ihnen anschaffen, gibt’s ein paar Tote, ja, es bricht alles zusammen.

Ganz falsch, sagen Anarchisten: Alle müssten bloß langsamer fahren und sich nicht mehr auf starre Regeln verlassen, sondern achtsam auf alles reagieren, was gerade passiert. Tatsächlich haben Versuche in regelfreien Verkehrszonen (Shared Space) in der EU gezeigt, dass es dort weniger Tote und Verletzte gibt als unter herkömmlichen Voraussetzungen.


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