Am Apparat

Fürchten Sie sich auch vor dem Killerbakterium, Frau Apfalter?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Der „Superkeim“ sei angekommen, ein „Todesbakterium“, gegen das sämtliche Antibiotika machtlos seien. Das war Anfang der Woche über NDM-1 in den Zeitungen zu lesen. Durch Schönheitsoperationen in Indien sei NDM-1 nach Europa verschleppt worden. Der Falter fragte die Bakteriologin Petra Apfalter, medizinische Leiterin des analyse BioLab, wie schlimm NDM-1 tatsächlich ist.

Ist das neue Bakterium NDM-1 wirklich so ein schlimmer Killer?

Das ist ein Blödsinn. Wir haben keine Killerbakterien im Land. NDM-1 ist kein Bakterium, sondern eine Waffe, die bestimmte Bakterien bilden können, genauer gesagt ein Enzym. Dieses Enzym kann bestimmte Antibiotika, die man in der Therapie gerne verwenden würde, kaputt machen.

Aber sollten wir uns Sorgen machen, dass NDM-1 genau jetzt auftaucht?

Das ist nichts Neues, das gibt es auch in Südeuropa, und man beobachtet eine Zunahme in England. Wir beobachten das seit 2008 sehr genau.

Sie sind also – im Gegensatz zu zahlreichen Zeitungen – nicht überrascht?

Nein, gar nicht. Die Fachwelt schaut schon länger auf diese Entwicklung. Die Bakterien ändern sich im Laufe der Zeit, das war schon zur Zeit von Ignaz Semmelweis so. Und jetzt eben auch.

Stimmt es, dass NDM-1 ein Schönheits-OP-Keim ist, wie Zeitungen berichten?

Das ist der nächste Blödsinn. Das war Zufall, das hätte auch bei jeder anderen Operation in Indien passieren können.

Ein neuer Busen macht also nicht krank?

Nein. Obwohl ich persönlich ihn mir nicht in Indien oder Griechenland einbauen lassen würde.

Werden die Bakterien immer resistenter, weil die Menschen immer mehr Antibiotika nehmen?

Je mehr Antibiotika in Umlauf sind, desto mehr steigt auch der Druck auf die Bakterien. Daher Antibiotika nur nehmen, wenn der Arzt sagt, es ist nötig. Bei einem Schnupfen reicht zu Hause bleiben und Tee trinken.

Interview: Nina Horaczek


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