Enthusiasmuskolumne

Geschichten hinter der Angst

Diesmal: die beste Reisevertretung der Welt der Woche

Feuilleton | Valentin Ladstätter | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Acht Bücher in acht Jahren hat Helge Timmerberg veröffentlicht. Die meisten handeln von seinen Reisen. Etwa „In 80 Tagen um die Welt“. Timmerberg orientiert sich darin an der Route, auf der Jules Verne seinen Phileas Fogg um den Globus schickte – und er findet heraus, dass die größte Schwierigkeit heute darin besteht, nicht zu früh zurückzukommen.

Timmerbergs Geschichten werden lebendig, weil er in sie eintaucht und aus der Ich-Perspektive berichtet. So verschwimmen die Grenzen des klassischen Journalismus, der Autor wird zum feinfühligen Erzähler und zum wichtigsten Vertreter des New Journalism im deutschsprachigen Raum.

Am besten sind die Bücher, in denen seine Reportagen gesammelt sind. In „Tiger fressen keine Yogis“ etwa liest man mit heruntergeklapptem Unterkiefer von Timmerbergs Aufenthalt in Tel Aviv während der Bombenangriffe Saddam Husseins, und man verfolgt tief berührt seine Begegnungen mit Sterbenden im Haus des Todes von Mutter Teresa.

Ebenso viel, wie Timmerberg erlebt hat, hat er auch überlebt. In „Der Jesus vom Sexshop“ berichtet er, wie er im Regenwald Brasiliens einem Jaguar über den Weg läuft und aus Versehen einem Krokodil auf den Buckel springt. Aber auch, wie ihn auf seiner ersten Reise, die er im Alter von 17 Jahren unternahm, die Elefantitis erwischt und wie er immer wieder dem Fieber und der Ruhr entkommt.

Timmerberg gibt tiefe Einblicke in Orte, Kulturen, Menschen – und in seine eigene Persönlichkeit. Er wächst jedes Mal an seinen Reisen und lässt durch seine Geschichten den Leser an seinen Erkenntnissen teilhaben.

„Die besten Geschichten liegen hinter der Angst“, sagt er selbst. „Nicht nur die Angst vor HIV im Afrika der 80er-Jahre oder die Angst vor der Pest im Indien der 90er-Jahre, sondern auch die Angst vor den Erwartungen der Verleger und der Leser. Die schönste Geschichte ist die, die man so schreibt, wie man sie selbst für richtig hält.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige