Die geraubte Braut

Feuilleton | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Egon Schieles gestohlenes „Bildnis Wally“ kehrt aus New York in das Wiener Leopold Museum zurück

Porträt: Matthias Dusini

Das Bild ist nur 32,7 x 39,8 Zentimeter groß und trägt die Signatur „EGON SCHIELE 1912“. Es zeigt Walburga Neuzil, die 18-jährige Freundin Schieles, in einer ungewöhnlichen, kauernden Pose. Das Mädchen ist in sich zusammengesunken, hat den Kopf zur Seite gelegt, ihre Augen sind überlebensgroß.

Es stammt aus der Werkphase, in der sich der Maler vom dekorativen Linienstil der Wiener Secession löst und eine expressive Malerei mit dunklen, existenziellen Themen entwickelt. Die Ölfarbe ist so dick aufgetragen, dass die Pinselspuren zu sehen sind. Die Gesichtskontur bildet einen geometrischen Kontrast zu den amorphen Farbfeldern.

Kandierte Früchte

Der leere, glasige Blick kann als Ausdruck seelischer Not interpretiert werden. Spürbar ist aber auch das Vergnügen, mit dem der Maler hier Farben – Orange, Ocker, Blau, Grün, Weiß – kombiniert und die Augen


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