Lakai gegen Schnepfe: Das ist Brutalität

Feuilleton | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

In seinem neuen Roman „Die ganze Wahrheit“ betreibt Norbert Gstrein fruchtloses Verlegerwitwen-Bashing

Rezension: Julia Kospach

Norbert Gstrein, heißt es, sei gewarnt worden, diesen Roman zu schreiben. Er selbst hat sein Buch im Vorfeld als „Prosa mit schwerem Wirklichkeitsgewicht“ bezeichnet und bei einer Vorpräsentation in Berlin vor einigen Wochen davon gesprochen, dass es eine „Konstellation“ beschreibe, die „an eine Konstellation im Suhrkamp Verlag erinnert“.

Nein, er befürchte keine Klagen, und ja, er halte seinen Roman tatsächlich für einen Roman und fühle sich dadurch ausreichend abgesichert. Er vertraue der Macht der Fiktion und bediene sich gleichzeitig der Realität als Material.

So weit, so vieldeutig. Gstreins neuer Roman heißt unübersehbar ironisch „Die ganze Wahrheit“, und wenn er jetzt, Mitte August, erscheint, eilt ihm schon seit einiger Zeit der Ruf eines Literaturskandals mit Ansage voraus. Denn das Buch wird unvermeidlich als Schlüsselroman über

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