Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Dann sind wir Hendln, für einen Tag

Ja. Auch und gerade die steirischen Satanisten sind wieder im Aufwind befindlich. Zufrieden registrieren sie bei ihren Sonntagsausflügen verkehrte Plakatständer, auf denen wahrscheinlich böse Botschaften stehen, die sich direkt ins Unterbewusstsein brennen, zum Beispiel „Gegen Österreich“. Auch an der Tieropferritualfront tut sich was: 108.000 Hühner auf einen Schlag gegrillt, die Rauchschwaden waren kilometerweit zu sehen, die Schreie der Hendln auch im ganzen Umkreis hörbar, so manch steirisches Kind wird sein Leben lang davon begleitet sein. Und die Wirtschaft profitiert auch. Sie hat außerdem so manch steirischem Garten den neuen Gartenroboter A. (Name geändert) beschert, der wie eine Schildkröte, ohne von Menschenhand gesteuert zu werden, über den Rasen fegt, das Gras schneidet und bei Bedarf selbstständig zur Aufladestation fährt. Ein wahrlich erhabener Anblick, so ein emsiger Mähroboter bei der Arbeit. Wenn Menschen sich nähern, stoppt das kleine Ding automatisch und ist deswegen erst mal ungefährlich für Lebendes. Was nicht heißen soll, dass man mit diesem Ding kein Huhn köpfen kann. Der A. fährt da drüber wie Butter und besprenkelt den Rasen mit dem frischen Hendlblut, dessen Geruch sich mit dem Duft des frischen Grases und der frischen Zebrastreifen vermischt und sich über das Land legt, das dann „Tatort“ schaut und danach schlafen geht und voller Zuversicht in die Zukunft blickt, mit großen grünen Augen wie aus einem Manga.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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