Kritik

Wer ist schuld? Mensch oder Maschine?

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Im Vorjahr, als das Ensemble Theaterfink den Lechner Edi, seine Freundin Fritzi und die Maschine Pepi zum ersten Mal auf Reisen durch den dritten Bezirk schickte, war der Anlass der 70. Todestag Jura Soyfers. Die Wiederaufnahme heuer ist den zahlreichen Fans dieser Umwandlung von „Der Lechner-Edi schaut ins Paradies“ in ein volksnahes Prozessionstheaterstück zu danken. Jura Soyfers Protagonist des Jahres 1936 wird zu einem Arbeitslosen unserer Zeit, um sich auch gleich – wie schon der alte Edi – auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu begeben mit dem Ziel, sämtliche Erfindungen, die daran schuld sein könnten, dass ein einfacher Arbeiter nicht mehr gebraucht würde, rückgängig zu machen.

Der unprätentiöse, etwas naiv anmutende Aufführungsstil mit den Mitteln des Puppen- und Mitmachtheaters kommt der klaren Sprache Soyfers entgegen. Das Publikum findet sich schnell zu einem wissenden Grüppchen zusammengeschweißt, das von einer Station zur nächsten trottet und dabei genug Muße hat, die Umgebung, die einst auch Soyfers Heimat war, etwas genauer zu betrachten. Die spontanen Reaktionen dieser „Umgebung“ machen dann auch einen Teil des herben Charmes der Aufführung aus. Es spielen Walter Kukla, Sandra Sekanina und Susita Fink, von der auch Konzept und Regie stammen. Sie werden musikalisch von Walther Soyka auf seiner Ziehharmonika begleitet. Die vorletzte Station am Don-Bosco-Kirchenplatz, an der Edi gar Gott darum bittet, sich die Erschaffung des Menschen nochmals zu überlegen, beweist besonders eindringlich die Unterstützung mancher Stellen im Bezirk. Laue Spätsommerabende vorausgesetzt, ist diese Form des familiären Straßentheaters doch vor allem eines: Zeit, Raum und Menschen verbindend.

Treffpunkt Erdberger Steg, Di, Mi, Do 19.30


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