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Frida, Frida und noch mal Frida

Lexikon | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Wir kennen sie von Postkarten, Kalenderblättern und aus Hollywood: Frida Kahlo hat mit ihren Selbstporträts und ihrem Kleidungsstil bereits zu Lebzeiten eine Ikone aus sich gemacht. Heute sorgt der Kult um sie für volle Kassen. Die Entwicklung und die Facetten von Kahlos Werk wurden angesichts ihrer spannenden Vita und dem wiederkehrenden Motiv ihres Gesichts meist nur sehr oberflächlich behandelt. Die große Retro im Bank Austria Kunstforum, die zuvor in Berlin zu sehen war, bietet nun die Chance einer Vertiefung in die vielschichtige Malerei der Mexikanerin.

Rund 150 Werke der Künstlerin werden ab 1. September in Wien präsentiert. Hinzu kommt eine Serie von Fotografien, die ihre Großnichte für die Ausstellung zusammengestellt hat. Fridas dunkle Augen unter den legendären Brauen folgen dem Betrachter durch die gesamte Schau, die mit grazilen Selbstdarstellungen aus den 20er-Jahren einsetzt, in denen die Tochter eines Fotografen noch dem Figurenideal der Renaissance anhing. Später schlug der Einfluss der französischen Surrealisten durch, mit denen Kahlo auch Kontakt pflegte.

Die kommunistische Malerin trug die Trachten mexikanischer Bäuerinnen, sie sammelte präkolumbianische Kunst und integrierte in ihre Bilder vielfach „primitive“ Symbolik. All das ein starkes Statement in einem Land, dessen Eliten sich an der europäischen Hochkultur orientierten. Seit den 80er-Jahren wurde die jung bei einem Unfall schwer verletzte Künstlerin zu einer Galionsfigur des Feminismus.

In Berlin stellten sich die Besucher stundenlang für die Ausstellung an. An der überaus gut bestückten Retrospektive wurde jedoch die Fixierung auf Kahlos Biografie kritisiert, die Kunst und Leben wieder einmal allzu bereitwillig kurzschloss. NS

Bank Austria Kunstforum, ab 1.9.; bis 5.12.


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