Ohren auf

Gegenwart und Zukunft des Streichquartetts

Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Sinfonie und Sonate sind tot, kein zeitgenössischer Komponist, der auf sich hält, schreibt so etwas noch. Vom Streichquartett aber, dem dritten Standardformat der klassischen Musik, wollen selbst eingefleischte Avantgardisten nicht lassen.

Beat Furrer etwa wählte diese zeitlos perfekte Besetzung, um der Frage nachzugehen, „ob Bewegung eine wahrnehmbare Richtung hat und wie sie sich zu solchen Momenten verhält, die auf der Stelle treten“. Sein 3. Streichquartett ist ein formales Experiment zu prozesshafter Klangentwicklung und Wiedererkennbarkeit. Das liest sich spröde – aber natürlich ist Furrer ein viel zu guter Komponist, um daraus nicht packende Musik zu machen, auch mithilfe eines alten Kirchenchorals. Und wer’s dann ganz genau wissen will: Eine Analyse findet sich im Beiheft dieser Einspielung durch das KNM Berlin (Kairos).

Uri Caine, der virtuose Stilanverwandler zwischen Jazz und Klassik, schrieb „Twelve Caprices“ (Winter & Winter) für Streichquartett, zu denen er

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