Theater Kritik

Die Psychoanalyse - ein Showformat der Geschlechter

Steiermark | Teresa Falk | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Eine Vivisektion psychoanalytischer Ideen und der Philosophie Jacques Lacans unternimmt der im Forum Stadtpark etablierte Club 3. Autorin und Regisseurin Sarah Fötschl und die Schauspielerinnen Rebecca Hofer und Christine Scherzer experimentieren in Das Imaginarium – Die Sinnmaschine wird geschlachtet mit einem erweiterten Theaterbegriff. Sie nennen ihre Arbeit eine „theatrale Medieninstallation“ und bauen sich ein Labor, in dem sie selbst die Versuchsobjekte sind. Intersubjektivität, die Möglichkeit, zu mehreren dasselbe wahrzunehmen, ist eines der Stichworte, mit denen da jongliert wird. Ein anderes, refrainartig wiederholtes Zitat entstammt Nina Hagens legendärem Auftritt im „Club 2“: „Halts Maul, du Saftsack, deppata Meensch!“

Im fortgeschrittenen Showformat wird in Hygienepatscherln diskutiert und zwischendurch ins Medienlabor von Miriam Mone geschalten. Diese verstärkt das bewährte Team und verleiht der Inszenierung mit ihren fragilen Audiosamples eine beinahe verführerische Aura. Als Quotenmann darf außerdem einmal mehr Felix Krauss herhalten und den riesigen, zutraulich-täppischen Penis geben.

Während also Fantasiereisen mit Topfpflanzen unternommen werden, bewusstseinserweiternde Naturfilme auf der alles reflektierenden Videoleinwand laufen, droht die Sinnmaschine mehr als einmal im Leerlauf steckenzubleiben. Glücklicherweise gibt es die sinnliche Ebene und wird eben doch Theater gespielt. Dass das Setting, das in Szene gesetzt wird, wenig mit psychiatrischer Praxis zu tun hat, muss nicht weiter stören. Umso exakter wird der Diskurs auf eventuelle Geschwüre abgetastet, werden sinnliche Qualitäten aufgespürt. Die Klimax dieses Abends birgt denn auch eine freundliche Überraschung.

Forum Stadtpark, Premiere am 25.8., tägl. bis So 20.00


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