Thomas Glavinic beschwört düstere Stimmung herauf

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Vier Tage „Lese-Wohnzimmer" am Grazer Hauptplatz

Jonas, ich erfülle Ihnen drei Wünsche." Wer, bitte, ist der Fremde neben Jonas auf der Bank, der Goldkettchen und Bierfahne trägt und ihm offenbar hinterherspioniert hat – woher sonst wüsste er von seinen Söhnen, seiner Frau und mit wem er sonst noch schläft? Jonas hat eigentlich keine Lust, mit dem Typen zu reden, und dennoch rutscht er in das Spiel hinein.

wieder etwas dunkler und düsterer werden", hatte thomas glavinic angekündigt – und er hat Wort gehalten. Am 4. September (19.00) wird der Autor, der seine ersten Lebensjahrzehnte in Graz verbracht hat, eben hier am Hauptplatz aus seinem jüngsten, im Vorjahr erschienenen Buch „Das Leben der Wünsche" lesen. Und damit den Höhepunkt von „StadtLesen 2010" bestreiten: Zum zweiten Mal ist das „mobile Lesewohnzimmer" von August bis Oktober durch Österreichs Landeshauptstädte unterwegs. Lesemöbel, ein „Genussturm" und vor allem 3000 Bücher laden zum Schmökern unter freiem Himmel ein (Ausweichquartier bei Schlechtwetter: Palais-Hotel Erzherzog Johann).

Bekannt wurde Glavinic mit dem Kriminalroman „Der Kameramörder", es folgten „Wie man leben soll", „Die Arbeit der Nacht" und „Das bin doch ich". Im „Leben der Wünsche" bewies er erneut, dass er für jedes Buch einen eigenen Tonfall findet. Diesmal ziehen langsam dunkle Wolken auf. „Ich hätte vielleicht gern gewusst, wie es ist, knapp davonzukommen", plappert Jonas am Anfang vor sich hin. „Ich könnte mir wünschen, einen Feind – den ich nicht habe – töten zu lassen." Eines Abends liegt seine Frau tot in der Badewanne – wie war das noch mal mit dem Wollen und dem Wünschen?

Graz, Hauptplatz, Do–So, jeweils 09.0022.00


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