Kommentar

„Egon Schieles Sammler“: Das wäre eine wichtige Ausstellung

Restitution

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Am vergangenen Freitag kam Egon Schieles „Bildnis Wally“ aus New York City nach Wien zurück. Vor zwölf Jahren war es von den US-Behörden als Diebesgut beschlagnahmt worden (siehe Falter 33/10).

Das Leopold Museum reagierte auf die Rückkehr mit verhaltenem Jubel. Es zahlt an die Erben von Lea Bondi-Jaray, die „Wally“ bis 1938 besaß, 14,8 Millionen Euro.

Das Museum wird dafür einige Schiele-Zeichnungen versteigern lassen. Der Sohn des verstorbenen Sammlers Rudolf Leopold, Diethard, betonte, für Gefühle des Triumphes sei kein Platz, habe der juristische Vergleich doch vor dem Hintergrund der beispiellosen Raubzüge der Nazizeit stattgefunden.

Leopold jr. wurde vom Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, kritisiert. Er vermeide das Wort „Rückgabe“, auch befänden sich weitere fragwürdige Objekte in der Sammlung.

Die neue Strategie des Museums ist in ihrer Signalwirkung dennoch beachtlich. Eine positive Einstellung zur Provenienz ihrer Sammlung eröffnet auch inhaltlich neue Perspektiven.

Das Belvedere ist längst dazu übergegangen, Klimt und Schiele in kulturgeschichtliche Kontexte einzubetten.

Die nächste Ausstellung des Leopold Museums könnte heißen: „Egon Schieles Sammler“. Ein Stigma würde so in ein positives Merkmal umgewertet. Aus einem Raubkunstmuseum könnte ein Zentrum für Provenienzforschung werden. Die „Wally“-Story könnte das Bewusstsein für die Alltäglichkeit der NS-Verbrechen schärfen.

Es waren nämlich Kollegen und Geschäftspartner, sie sich über Nacht in Verbrecher verwandelten.


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