Am Apparat

Herr Haas, fürchten sich die Studenten vor Aufnahmetests?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Wer Publizistik studieren will, muss das Auswahlverfahren bestehen, hieß es kürzlich noch. Doch in Wien und Klagenfurt gab es zu wenig Bewerber, nur in Salzburg ist der Andrang größer als die Zahl der angebotenen Studienplätze. Nun hat das Wiener Publizistik-Institut den Aufnahmetest am 18. August abgesagt. Warum diesmal die Studierenden fernblieben, erklärt der Wiener Institutsvorstand Hannes Haas.

Herr Haas, warum haben sich so wenige Studenten bei Ihnen beworben?

Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen, womöglich lag das am angekündigten Auswahlverfahren.

Der Test hat die Leute abgeschreckt?

Das könnte ich mir vorstellen. Man hat sich vielleicht das anspruchsvolle Skriptum angesehen und überlegt, ob man sich die Prüfung wirklich antun will. Der zweite Grund könnte sein, dass es früher Motivirrtümer bei der Studienwahl gab. Wir sind keine Journalistenausbildung, sondern bieten ein sozialwissenschaftliches Studium an. Womöglich haben das die Studenten anhand des Skriptums besser erkannt.

Ist doch gut, dass sich die Leute über ihre Studienwahl stärker den Kopf zerbrechen. Oder?

Sich den Kopf zu zerbrechen ist niemals schlecht. Andererseits hat ein Universitätslehrender seine Berufung verfehlt, wenn er Menschen das Studium verunmöglichen will.

Die Schwankungen an Ihrem Institut sind enorm. Voriges Jahr hatten Sie 1600 Studienanfänger, jetzt sind es nur 970.

Das ist richtig. Aber man darf nicht vergessen, dass das letzte Jahr ein statistischer Ausreißer war. Die Studiengebühren sind weggefallen, es gab kein Auswahlverfahren, und die doppelten Abiturientenjahrgänge aus Deutschland kamen dazu. In den Jahren zuvor haben bei uns immer ungefähr 1000 Personen begonnen.

Jetzt sind Sie also wieder am normalen Stand, was die Zahl der Anfänger betrifft?

Es ist zumindest das, was wir an der Publizistik als Normalität bezeichnen.

Interview: Ingrid Brodnig


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