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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Blaue Schnäbel

Dieses Mal ist es das „Wiener Blut“, das aufregt. Zuvor waren es Slogans wie „Daham statt Islam“ oder „Pummerin statt Muezzin“, mit denen die FPÖ in Wahlkämpfen gezielt provozierte. Benedikt Narodoslawsky hat sich in seinem Buch „Blausprech“ genau damit beschäftigt, wie die freiheitliche Partei die Aufregung der Medien und der politischen Gegner über solche Slogans als Teil ihres Wahlkampfes einsetzt. Der Journalist hat in seinem Buch nicht nur analysiert, was Heinz-Christian Strache sagt, sondern auch, wie die blaue Kommunikation funktioniert. „Bluespeak“ nennt er das freiheitliche wording in Analogie zu Georg Orwells „Neusprech“. Und er setzt sich auch damit auseinander, wieso die FPÖ unter Jugendlichen so erfolgreich ist und was andere Parteien von ihr lernen können. Eine ideale Lektüre zur Einstimmug auf den Wien-Wahlkampf. Nina Horaczek

Benedikt Narodoslawsky: Blausprech. Wie die FPÖ ihre Wähler fängt. Leykam, 259 S., € 24,90

Holl und der liebe Gott

„Was den Kindern zumeist verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass Gott sich im Laufe der Zeit geändert hat“, schreibt Adolf Holl zu Beginn seines „Breviers“, das den Leser durchs Kirchenjahr begleitet. Zu diesen Veränderungen, aber auch zu den bestehenden Werten sammelt der Theologe und Schriftsteller Thesen, Ideen und kleine Provokationen – ein interessanter Einblick in Holls Gedankenwelt. Der streitbare Ex-Priester zählt seit den 70er-Jahren zu den bedeutendsten Intellektuellen des Landes, 1971 legte er sich mit seinem Buch „Jesus in schlechter Gesellschaft“ mit der katholischen Amtskirche an. 1976 wurde er vom Priesteramt suspendiert. Doch der nunmehr 80-Jährige hat nie aufgehört, eine wichtige Stimme seiner Kirche zu sein. Julia Ortner

Walter Famler (Hg.): Das Adolf Holl Brevier. Residenz, 217 S., € 19,90


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