Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Sich über die Reportagen von Elizabeth T. Spira zu echauffieren ist ungefähr so aufgelegt wie sich über die Geschäfte von Walter Meischberger zu empören – notwendig ist es trotzdem. Ich sage nur: Psychohygiene. Denn jetzt im Sommer quält uns der ORF mit Spiras alten „Alltagsgeschichten“ und ihren aktuellen „Liebesg’schichten und Heiratssachen“. Dabei sieht man, mit welchen banalen, aber effektiven Rezepten Spira ihre Quotenerfolge produziert. Arme Würstel, die ihre fünf Sinne nicht beieinander haben, werden in den „Alltagsgeschichten“ vorgeführt und blamiert – betrunkene Modernisierungsverlierer mit Nazi-Sprüchen kommen am besten vor der Kamera. Einsame Leute, die verzweifelt auf Partnersuche sind, werden in den „Liebesg’schichten“ hergezeigt und ironisiert – notgeile Pensionisten mit Nippes im Schrank erfreuen den Zuschauer. Genau das ist das Üble an der rücksichtslosen Sozialreportage: Sie ist für die oberen Schichten gemacht, die sich an der Jämmerlichkeit der anderen delektieren.


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