Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Die beste erste Jugenderinnerung der Welt der Woche

Feuilleton | Ingrid Brodnig | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Just because we feel gooo-hoood …

Als Jugendlicher hat man Lieblingsbands, die man geradezu vergöttert. Man spielt deren CDs im eigenen Zimmer auf und ab, man kennt jede Liedzeile auswendig und nimmt sich die Texte zu Herzen, als wäre das ganze Album nur für einen selbst geschrieben. In den 90er-Jahren war eine solche Band Skunk Anansie.

Mit ihren politischen, wütenden, emotionsgeladenen und eingängigen Rocksongs boten sie vielen Teenagern die richtige Sounduntermalung fürs Heranwachsen. „I know one hundred ways to be a good girl, one hundred ways, my willingness to please. I know one hundred ways to be a good girl, still I’m alone, I’m alone, I’m alone, I’m alone“, plärrte Frontfrau Skin auf der allerersten Platte und viele Mädchen (und auch Burschen) plärrten mit.

15 Jahre später: Man hat sich die Eintrittskarte fürs Frequency Festival besorgt, Sängerin Skin betritt die Bühne – und plötzlich ist es wie damals. Da fallen einem alle Liedtexte ein, vom wehleidigen „Weak as I am, no tears for you“ bis zum Überhit „Just because you feel good“. Viele Menschen in ihren Zwanzigern sind gekommen und grölen laut mit.

Auf einmal wird eines sonnenklar: Die 90er sind zurück! Die Teenies von damals haben erstmals Gelegenheit, in ihren eigenen Jugenderinnerungen zu schwelgen. Es handelt sich um eine Generation, die das Mixtape kaum mehr kannte, wohl aber ihr mühevoll gespartes Taschengeld für CDs ausgab. Zum Beispiel für das populäre Album „Stoosh“, auf dessen Cover sich die schwarze glatzköpfige Skin an den Schädel greift und mit irrem Blick in die Kamera starrt.

Skin ist heute 43 Jahre alt, aber das sieht man ihr nicht an. Sie fegt über die Bühne, springt ins Publikum und hat noch immer denselben Wahnsinn in den Augen. Während sie der Masse einheizt, kann man sich wieder erinnern, warum man dieser Frau damals stundenlang im Zimmer zuhörte.

Die Generation der Twentysomethings ist reif für ihre eigene Nostalgie.


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