Ein 3/4 Kilometer Wien

Stadtleben | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Elend im Erdgeschoß, Künstlerlofts in der Fabrik, international beachteter kommunaler Wohnbau: Nirgends stoßen urbane Gegensätze so aufeinander wie in der Absberggasse. Eine Straße in Favoriten

Reportage: Joseph Gepp

Es hat Vorteile, in der Stadt zu leben. Es hat auch Vorteile, am Land zu leben. Aber es gibt da noch diesen merkwürdigen, undefinierten Zwischenraum.

Exakt 3,94 Kilometer Luftlinie liegt der Beginn der Absberggasse vom Stephansdom entfernt, aber wenn man hier steht, dann scheint es weiter. Schnurgerade und unspektakulär ziehen sich die vier Fahrspuren der Straße durch Favoriten. Sie passieren schmucklose, von Abgasen ergraute Fassaden. Sie werden von Ampelkreuzungen durchbrochen und von den Schienen der Straßenbahnlinie 6, die hier an Erdgeschoßfenstern vorbeirumpelt. Auf einem Dreiviertelkilometer Absberggasse reihen sich heruntergekommene Gründerzeitzeilen aneinander, dann Gemeindebauten, Ziegelmauern, einige moderne Stahl- und Glasfronten. Wohnraum, Funktionalität,

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