Fragen Sie Frau Andrea

Höscherln ist die volle Hetz

Kolumnen | aus FALTER 34/10 vom 25.08.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

letztes Wochenende, beim dreitägigen Lehrgang des Bundes Österreichischer Fußball-Lehrer, kurz BÖFL, hatte ich viele Spezialisten um mich herum. Meine Frage konnten sie mir dennoch nicht beantworten: Woher stammt der Ausdruck Hösche? Das Wort, das alle Trainer und Spieler verstehen, bezeichnet einen Spielerkreis, in dessen Mitte zwei Spieler versuchen, den Ball zu bekommen. Wir rätselten stundenlang. Die Männer (ich war die einzige Frau) hatten viele Erklärungen: vom einfachen Häkerln bis hin zum Höschenergattern!

Besten Dank und freundliche Grüße,

Claudia Gallhofer, Rudolfsheim,

per Elektropost

Liebe Claudia,

in Unkenntnis der kompletten Erörterungsgeschichte Ihres Hösche-Seminars darf ich die beiden mitgelieferten Erklärungsmodelle einer kurzen Analyse unterziehen. Möglich, dass Fußballlehrer in Ausbildung modernes Kurzpassspiel als Häkelei wahrnehmen und den verborgenen Sinn des Spiels am grünen Rasen im Ergattern gegnerischer Hoserln sehen. Die tatsächliche Bedeutung des seltsamen Ösi-Kicker-Ausdrucks berühren die erwähnten Etymologien durchaus, wenn auch nur tangential. Sie klopfen an der Latte an, um einen einschlägigen Ausdruck zu bemühen.

Hösche kommt aus dem Mittelhochdeutschen und heißt so viel wie Fopperei, Hohn, Spott. Gefrotzelt werden dabei ein oder zwei in einem Kickerkreis stehende Spieler. Er oder sie müssen versuchen, einen Ball abzufangen. Gelingt dies, muss der Fehlpassgeber in die Mitte. Die Hösche gibt es in vielen Varianten, sie wird sehr oft im Training und durchaus auch bei Meisterschaftsspielen und internationalen Begegnungen in regulären Matches gespielt. Die Hösche und die mit ihr verwandte Verbalform höscherln (so viel wie ärgern) kommt aus einer indoeuropäischen Wurzel, aus der die deutsche Sprache die Worte hetzen und hassen gedrechselt hat. Im Germanischen bedeutete das Verb, got. hatjan und hatan, ahd. haschên und haschôn, mhd. haschen, ursprünglich „verfolgen“, das dazugehörige Substantiv Hass war schlicht die Verfolgung. Böse Stimmen, die die österreichische Trainerleidenschaft für das Höscherln für wenig geeignet halten, zeitgemäßen Tiki-Taka-Fußball auch mit Toren zu krönen, möchte ich nicht kommentieren.


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