Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

Auf einer Glatze Locken zu drehen ist ein Kinderspiel im Vergleich zur Aufgabe, dieses Kästchen zu bespielen. Die Schwierigkeit besteht in der Hemmschwelle; man muss eine gewisse Lust daran haben, die Privatsphäre anderer Menschen, wenn nicht mit Füßen zu treten, so doch zu betreten. Nicht so sehr, dass die Betroffenen betreten aus ihrer Wäsche blicken, aber so weit, dass das Versprechen des Titels („Aus dem Inneren“ – Eingeweide, Beuschl, Frischblut) einigermaßen gewahrt ist. Am Ende wird doch wieder nur Druckerschwärze daraus.

Der Untertitel bleibt sowieso unerklärlich, wenn auch nicht unerklärbar: Wir wollen uns erklären, obwohl jeder Erklärungsversuch die Sache immer unerklärlicher macht. Die Frage, warum ein Haufen Käuze und Schrulls (als solche stellen wir uns gern und mit Recht in diesem Kästchen dar) eine Zeitung wie diese hervorbringen kann, bleibt unbeantwortet. Möglicherweise ist sie ebenso unbeantwortbar wie die Frage, wie der Haufen Käuze im Kabinett ein Land regieren oder ein Haufen Komiker in einem Vorstand einen Konzern führen kann.

Andererseits führen sich Länder und Konzerne auch schon einmal selbst, manche Orchester spielen ohne Dirigenten. Diese Ausgabe des Falter entstand – pssst– in Abwesenheit der gesamten Chefredaktion. Florian Klenk hat noch die brisante Kasachen-Story aufgedeckt und sich dann auf eine südliche Insel empfohlen; Klaus Nüchtern kehrt erst am 1. September zurück. Der Autor dieses Kästchens hat es aus der Landeinsamkeit eingeschickt.


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