Meinesgleichen

Lang lebe der Labkrautschwärmer

Falter & Meinung | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

Wir erleben einen Sommer der Naturkatastrophen. Offenbar haben wir noch lange nicht kapiert, wie dünn die Erdkruste ist, auf der wir tanzen, daran ändert auch der nächste Vulkanausbruch auf Sulawesi nichts. Die Fluten in Pakistan und Europa, die Dürrekatastrophen in Afrika, das Öl im Golf von Mexiko und die kalbenden Gletscher in der Antarktis machen uns die Stimmung noch lange nicht mies. Riesige Staudammprojekte im Amazonasgebiet verderben uns ebenso wenig die Laune wie die unaufhaltsame Klimaerwärmung. Ob das Ozonloch sich nicht von selbst wieder schließt, ist andererseits noch nicht heraußen. Und für jeden Ölapokalyptiker findet sich ein Skeptiker, der darauf hinweist, dass das Meer schon von selbst mit dem Öl fertig wird.

Wie auch immer: Die Katastrophen sind nicht wegzudiskutieren. Da tut es ganz gut, einmal etwas anderes von Mutter Natur zu hören. Im Vorarlberger Großen Walsertal, das uns ebenfalls von einer Lawinenkatastrophe aus den 50er-Jahren bekannt ist, als Schauplatz von Reinhold Bilgeris nun auch verfilmtem Roman „Der Atem des Himmels“ sowie als Ort der Propstei St. Gerold, des Kulturfestivals Walserherbst und als wunderschöne Landschaft sowieso, in diesem Großen Walsertal wurden soeben drei Falterarten gesichtet, die seit Jahrzehnten in Vorarlberg als verschollen galten: der Labkrautschwärmer, der Schwarze Apollo und der Skabiosen-Scheckenfalter. Noch ist nicht alles vorüber.


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