Kommentar

Simas funky Sammeltasche: noch ein Sackerl für das Packerl

Wien und die Mülltrennung

Falter & Meinung | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

Schon klar, es ist Wahlkampf. Da muss man dauernd mit Spitzenideen an die Öffentlichkeit gehen. Da kann es auch schon passieren, dass man als SPÖ-Umweltstadträtin auf der Wertstoffinsel mit einem orangen Plastiksack posiert. Ulli Sima lässt dieser Tage allen Wiener Haushalten eine „Altstoff-Sammeltasche“ zukommen. Im „coolen Design“, „immer wieder verwendbar“ und bedruckt mit gewohnt frechen Sprüchen soll die „Beitragtasche“, haha, zum Mülltrennen animieren. Was soll das denn?

Angeblich hat eine wissenschaftlich begleitete Studie in einer Wiener Wohnhausanlage ergeben, dass sich die hierzustadt offenbar recht maue Trenn- und Sammelmoral hebt, wenn die Leute einen funky Beutel haben, mit dem sie Dosen, PET-Flaschen, Papier oder Glas zum Container bringen können. Aha. Das Fehlen einer Tasche kann doch nicht wirklich der Grund sein, den Müll nicht zu trennen. Ein Einkaufssackerl erfüllt schließlich den selben Zweck. Sollte eine Umweltstadträtin nicht eher für Müllvermeidung werben und sorgen? Und jene Wienerinnen und Wiener aufklären, die das mit dem Mülltrennen noch nicht so kapiert haben und gerne auch das alte Sofa im Kompostcontainer entsorgen? „Ich trage Verantwortung“, steht auf Simas Sammeltasche. Wie nett. Das könnte man ja auch einmal Handel und Industrie empfehlen, die uns den ganzen PET-Wahnsinn mit einbrocken.

Auch wenn’s in Deutschland nicht so viel bringt, könnte man über die Einführung eines Dosenpfands nachdenken. Und Altzeugsammelstellen vielleicht nicht auf Grünstreifen ansiedeln, sondern direkt vor Supermarkteingängen. So bringt der orange Sack jedenfalls nicht viel. Außer natürlich – Wahlwerbung.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige