Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste Komiker der Welt der Woche

Feuilleton | Tex Rubinowitz | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

Das Vakuum zwischen den Witzen

Hartnäckig hält sich die Auffassung, die beste Comedyserie sei „Seinfeld“, eine Serie, an der sich alle zu messen hätten. Nur weil sie die erfolgreichste Sitcom aller Zeiten ist, muss sie ja nicht auch gut sein. Seinfeld ist ein Stand-up-Komiker, der seinen Alltag auf der Bühne thematisiert, und das ist wahnsinnig langweilig. Hier, wie auf allen anderen kulturellen Gebieten auch, bestätigt sich mal wieder, dass die Masse eben eine unersättliche Schwäche fürs Mittelmaß hat.

„Louie“ ist im Prinzip das Gleiche, ein Komiker erzählt aus seinem Leben, Szenen daraus werden gezeigt, „Louie“ wird gespielt, geschrieben und inszeniert von Louis C.K., und es ist das Beste, was man derzeit bekommen kann. Louis C.K., eigentlich Szekely, war Gagzuträger für Letterman, Leno und O’Brien, bis er für den Bezahlsender FX seine eigene Show realisieren konnte, die erstmalig vor einem Monat ausgestrahlt wurde.

Die Mischung aus beißendem Witz, Melancholie und Ohnmacht rückt sie oft in die Nähe der fulminanten BBC-Serie „The Office“, da wie dort erzeugen die Situationen eine raffinierte Beklemmung, bei der man nicht mehr lachen kann, sondern nur noch staunt, auch bei „Louie“ wird mit Leerstellen gearbeitet, dem Vakuum zwischen den Witzen, das oft viel komischer sein kann. Auch „Office“-Star Ricky Gervais spielt eine Rolle bei „Louie“, einen unerträglich albernen Arzt, eigentlich ein mausetotes Genre, aber Gervais und C.K. pressen dem noch eine neue Dimension ab, weil sie das alte Patient-Doktor-Spiel wie zwei perverse Kinder spielen.

Eine der grandiosesten Passagen ist jene, in der Louie als Polizist Matthew Broderick in einer Filmszene erzählen soll, dass dessen Vater gestorben ist, er macht das auch gut, aber Broderick gerät in immer größere Zweifel, sodass die Szene endlos wiederholt werden muss. Die vielen komischen Facetten des Nichts. Leider gibt’s noch keine DVDs von „Louie“, dafür aber einen eigenen YouTube-Kanal, louisck, ein Besuch lohnt sich.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige