Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

Zweiräder flattern im Windschatten des Staates

Eine der Merkwürdigkeiten des Wiener Straßenverkehrs ist die Häufung von Mopeds und Motorrädern hinter Polizeiwagen. Achten Sie mal drauf: Wenn sich eins der rot-blauen Autos durch die Stadt müht, folgen ihm Flitzer wie ein Rattenschwanz. Am Anfang ist man versucht, an einen polizeilichen Konvoi zu denken, aber sogleich sieht man: Dafür sind die Fahrzeuge zu unterschiedlich. Es sind Puchs, Vespas, KTMs und Gold Wings; die Fahrer tragen alles von der Lederkluft bis zum zerdepschten Italohelm. Was wollen sie nur an diesem allseits gemiedenen Ort? Suchen sie im Windschatten des Staates Schutz vor SUV-Fahrern? Bilden sie Gangs, um brave Beamte einzuschüchtern? Nein, stellt man bald fest, sie sind unfreiwillig hier. Ist nämlich die Polizei nicht gerade in der Nähe, flattern sie wie verliebte Spechte durch die Gassen, lassen keine Busspur aus, um vorwärtszukommen, nutzen jede noch so schma-le Schlucht zwischen Autos. Dann aber stoppt der Staat jäh ihren Höhenflug. Also reihen sie sich brav ein, bis er abbiegt. Und so lange folgen sie pflichtschuldigst dem Polizeiwagen.


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