Splatter im Kopf, kein Mangel an Blut, Mord und Folter

Steiermark | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

BestOFFstyria, 7. bis 11.9., Preisverleihung im TTZ, 11.9., 20.30

Diesmal hat sich Regisseur Thomas Sobotka merklich zurückgehalten. Nicht, dass es in der aktuellen t’eig Theaterproduktion „Der Kissenmann“ an Folter, Mord, Blut und anderen Grauslichkeiten mangeln würde. Nein, das tut es ganz gewiss nicht. Sobotka hat für seine aktuelle im Theater im Keller gezeigte Inszenierung den aus der Feder Martin McDonaghs stammenden Text weder gegen den Strich noch sonst irgendwie auffrisiert, er ergänzt keine Illusionsebenen und bricht nicht mit der Handlung. Woran das liegt? Am Stück, das selbst von Brüchen lebt. Mit seinem „Kissenmann“ hat der Brite Martin McDonaghs eine eloquente Antwort auf die Frage verfasst, wie weit sich fiktionale Gewalt auf die Realität auswirkt. In seinem Kammerspiel, das Karin Gschiel, Martin Horn und Christian Ruck packend umsetzen, werden die scheinbar gewohnten Verhältnisse umgekehrt. Reale Gewalt steht am Anfang einer Kette unangenehm phantasievoller Verbrechen, wobei die Klarheit darüber, was nun Fiktion ist und was Realität, im Laufe des Stücks immer mehr ins Wanken gerät. Den beiden Exekutionsbeamten, denen der Held des Dramas, ein Dichter mit allzu schwarzer Phantasie, zum Verhör anvertraut wurde, ist das herzlich egal. Sie machen ihn einfach nur fertig. So weit, so Kafka. Und weil McDonaghs auch seinen Tarantino gelernt hat, bleibt der Regie kaum was hinzuzufügen. Der Abend gerät auch so zu einer, nun ja, nicht unbedingt „schönen“, aber äußerst runden Sache. HG

Der Kissenmann, Theater im Keller, 2. bis 6.9.2010, 20.00


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