Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

Videos von früher: Hart bei Graz II

Hart bei Graz ist aber sowas von komplett Kult. Nicht nur, dass es klingt wie ein Pornosplatter aus den Achtzigern, nein, es werden dort auch Maschinen gebaut, die die Mikrowellenstrahlen der Amerikaner daran hindern, das Wetter zu verändern und die Welt durch Erdbeben unter ihre Kontrolle zu bringen, es gibt dort auch das jährliche oststeirische Schweinerennen. Und das möchte man auf keinen Fall versäumt haben. Was man dann schon eher versäumt haben will, ist eine vierzig Meter lange Tafel auf dem Hauptplatz, mit weißen Tischdecken und so, weil die Steirerkrone die Genussregion und so wieder mal featuren will. Dann beginnt es zu regnen, die Tischdecken werden wieder eingepackt, die extrem vielen Schaulustigen schauen auch ein bisschen blöd, und die Schauunlustigen fragen sich, warum sie mit ihrem Bier nicht am Hauptplatz der Genussregion sitzen dürfen, die Gourmets aber schon. Das hat immer mit dem Kontext zu tun und der jeweiligen Kultur. Zum Beispiel ist es in unserer Kultur üblich, Schweine zu essen und nicht Igel. Igel kann man zur Not überfahren, aber keinesfalls essen. Es gibt aber durchaus interessante Rezepturen, in denen die Tiere in Lehm einbetoniert werden, der dann langsam gebrannt wird. Gerade als Weihnachtsgericht ist das sehr beliebt, aber nicht bei uns. Auch Schildkröten werden so zubereitet. Diese sehr langsamen Tiere kommen aber in Hart bei Graz nicht vor.


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