Fragen Sie Frau Andrea

Wollen wir Wiener Wasser in der Wanne?

Kolumnen | aus FALTER 35/10 vom 01.09.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

vor einigen Wochen wurde in Ihrer Kolumne die Möglichkeit erörtert, größere Mengen an Bierflaschen in Wiener Badewannen zu kühlen, weil das Hochquellwasser so schön kalt ist. An und für sich eine prächtige Idee, aber seit damals nagen ökologische Zweifel an mir: Ja, dürfen s’ denn das? Erzürnen wir damit nicht die Erdgöttin Gaia oder deren Stellvertreter auf Erden (wie z.B. Greenpeace)? Anders ausgedrückt: Wie umweltschädlich ist es (wenn überhaupt), wenn wir eine ganze Nacht lang das kalte Wasser laufen lassen und dieses über die Wiener Kanalisation wieder (sauber) den Weg zurück in die Erde findet? Vielen Dank!

Alfred Stiglbauer, Alsergrund & Innviertel, per Mail

Lieber Alfred,

wie Sie richtig vermuten, führt der Weg zur Klärung der Bierkühlungsfrage durch die wilden Schluchten des Moraldiskurses. Ähnlich wie die Heilskonzepte Kapitalismus und Kommunismus wird auch der Ökologismus von der Sehnsucht nach einer besseren Welt getränkt. Jede Antwort wird sich in die Waagschale der jeweiligen Erlösungsdebatte werfen. Prüfen wir also die Gewichte!

Leserin Ilse Gass bewertete meinen Vorschlag, Partybier in der Wanne kalt zu stellen, insoferne als „nicht ganz ernst gemeint“, als für sie das sechs bis zehn Stunden lange Durchsprudelnlassen von Trinkwasser „schon ein bissl nach Urassen“ aussehe. „Wer meint“, schrieb sie, „wir haben eh genug Wasser, der könnte ja an die nächste Betriebskostenabrechnung denken.“ Mir gefällt dieser Zugang, erlaubt er mir doch, eine Kalkulation anzustellen und die Diskussion auf ökonomischem Ufer zu führen. Konstruieren wir eine zehnstündige Party mit gut 30 durstigen Gästen, einer randvoll mit Bierchen befüllten Wanne und in dieser einen Wasserdurchsatz von drei rinnenden Toilettenspülungen – das wären etwa 120 Liter frischen, langsam fließenden Hochquellwassers. Klingt viel. Ist es aber in der Gesamtbilanz der Party keineswegs. Sechs Minuten Duschen verbraucht diese Menge Trinkwasser. Schon zwei Hochbetrunkene, die am nächsten Morgen ungeduscht in ihr Bett fielen, hätten die Bierkühlung für die 28 anderen Partytiger hereingespielt. Ab drei trinkenden Nichtduschern fällt die Bilanz für Gaia also positiv aus. Prost!


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