Kommentar

Über dem Islam-Streit vergessen wir den vorhandenen Konsens

Wien-Wahl

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Pünktlich zur Wahl erregt Allah wieder die Stadt. Da braucht die FPÖ nur von Wiener Blut zu faseln und Muezzine ins Visier zu nehmen, schon diskutieren autochthone Österreicher mit Mandatsdrang, wie viele Minarette man Muslimen gönnen, wie viele türkisch beschriftete Milchpäckchen man ihnen zugestehen, wie viele Kopftücher man tolerieren soll. So bleibt die sogenannte Islamdebatte, was sie hierzulande bislang immer war: ein paternalistischer und symbolischer Showkampf, bei dem sich jener in der Gunst des Publikums wähnt, der am restriktivsten vorgeht und so tut, als wäre der Islam nicht auch bei uns daham. Die Hetzer in der blauen Wahlkampfzentrale, der Vergleich sei erlaubt, richten im Hinblick auf unser Zusammenleben wohl den nachhaltigeren Schaden an als jene in den Moscheen.

Bei all den Meinungsverschiedenheiten und Minarettspaltereien wird eines jedoch übersehen, nämlich worin sich Politik, Integrationsexperten und Islamische Glaubensgemeinschaft längst einig sind: Imame sollen künftig in Österreich ausgebildet werden und auf Deutsch predigen. Bei geplanten Moscheeprojekten soll die Nachbarschaft früher und enger miteinbezogen werden. Orientierungslose Migrantenkinder sollen vom Bildungssystem, nicht von islamistischen Netzwerken abgeholt werden. Und der islamische Religionsunterricht soll an heimischen Schulen von kompetentem, integrem Personal gehalten werden.

Die wahlkämpfenden Parteien könnten die Aufmerksamkeit nutzen, um über die Umsetzung dieses vorhandenen Konsens zu diskutieren. So aber laufen sie Gefahr, bloß ein weiteres Mal in die blaue Erregungsfalle zu tappen.


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