Kolumne

Die „jüdische Lobby“ gibt es schon längst nicht mehr

Außenpolitik

Falter & Meinung | Raimund Löw | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Karel de Gucht ist ein angesehener Europapolitiker. Der flämische Liberale war belgischer Außenminister und ist als Außenhandelskommissar ein Schwergewicht in der EU. Den neuen Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern gibt er wenig Chancen, weil „die jüdische Lobby“ in Washington einen übergroßen Einfluss auf die amerikanische Nahostpolitik habe. Für „den durchschnittlichen Juden“ sei die Haltung zu Israel eine Glaubensfrage, rationalen Argumenten zum Nahen Osten seien Juden nicht zugänglich.

Eine krude Pauschalierung, deren Unterton dem Belgier den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht hat, was de Gucht empört von sich weist. Israel ist inzwischen international weitgehend isoliert und wahrscheinlich teilen viele insgeheim die Ansicht, „die Juden“ wären eine Art Großlobby für den ungeliebten Staat. Der Schritt zum Bild einer weltumspannenden Verschwörung ist dann erfahrungsgemäß nicht weit.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. AIPAC, das American


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