Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Alexander Fanta | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Des Konservativen Gewissen

Als Ronald Reagan 1980 die US-Präsidentschaftswahl gewann, sprachen Kommentatoren von einem Sieg seines republikanischen Parteikollegen Barry Goldwater „mit 16 Jahren Verspätung“. Der kalifornische Senator jüdischer Abstammung verlor 1964 zwar haushoch gegen Lyndon Johnson, doch seine Bibel der Staatsfeindlichkeit, „The Conscience of a Conservative“, veränderte die USA für immer. Am Gipfel der Expansion des amerikanischen Wohlfahrtsstaates, als die Bundesregierung schwarze Kinder im Bus in weiße Schulen chauffieren ließ und mit neuen Sozialprogrammen die Armut abschaffen wollte, prangerte er die Einmischung des Staates an. „Wenn wir dem Menschen die Verantwortung für die eigenen materiellen Bedürfnisse nehmen, nehmen wir ihm den Willen und die Möglichkeit zur Freiheit“, heißt es da. Berüchtigt wurde Goldwater aber vor allem für seine „Idee“, taktische Atomwaffen gegen Truppen des Vietcong im vietnamesischen Dschungel einzusetzen. Sein Buch gab den damals am Boden liegenden, orientierungslosen Konservativen eine Leitlinie, die bis zu heutigen Diadochen wie Sarah Palin verläuft.

Barry Goldwater: The Conscience of a Conservative. 1960, Princeton Press, 160 S., € 11,99


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