„Ich erzähle von der Schattenseite der Auswanderung“

Feuilleton | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Der Autor und Journalist Martin Pollack im Gespräch über seinen Nazi-Vater, jüdisches Gangstertum und ein Galizien jenseits der Verklärung

Der Bürgermeister von Stegersbach habe ihn dann doch in Erstaunen versetzt. Als sich Martin Pollack, Schriftsteller, Übersetzer und Wahlburgenländer kürzlich bei seinem Ortsvorsteher erkundigte, wie viele Roma eigentlich in der Heimatgemeinde wohnten, griff der flugs zum Telefonhörer und fragte bei einem Gemeindebediensteten nach: „Können wir die aus dem Melderegister irgendwie herausfiltern?“

Pollack hatte gerade einen Text über die Deportation der einst über 200 Roma der Grenzlandgemeinde nach Auschwitz verfasst. Dass sie heute nicht einfach mehr aus dem Melderegister abrufbar sind (wo ihr Name seinerzeit mit einem „Z“ oder „R“ versehen war), beruhigte ihn. „Eine Gedenktafel für die ermordeten Roma aufzuhängen, darauf kommen die Leute aber auch nicht.“ Er habe das kürzlich vorgeschlagen, obwohl das Ansinnen im Nachbarort


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