Sagen Sie nie Dame zu ihr

Feuilleton | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Ewiges Kind mit dicker Haut: zu Besuch bei der Wiener Schauspielerin Vera Borek, die demnächst 70 wird

Porträt: Wolfgang Kralicek

Als Kind musste Vera Borek einmal so lachen, dass sie vom Sessel fiel. Ihr Vater hatte ihr eine Tschechow-Erzählung vorgelesen. Über Tschechow kann die Wiener Schauspielerin heute noch lachen; nur dass sie dabei nicht mehr vom Sessel fällt, findet sie ein bisschen schade.

Vera Borek nimmt es dem Leben übel, dass es einem im Lauf der Jahre den Enthusiasmus raubt. Man sieht das auch den Figuren an, die sie auf der Bühne darstellt. Einerseits spielt bei Borek immer ein naives, unschuldiges Kind mit: Ernst Molden hat ihr in seinem Stück „Der Basilisk“ (1991) eine Rolle auf den Leib geschrieben, die „das somnambule Kind“ hieß; sie passte ihr – wie der Matrosenanzug, den sie damals trug – ganz ausgezeichnet. Zugleich stellt sie aber auch die mehr oder weniger derangierte Existenz dar, die aus dem armen Kind geworden ist.

Die Borekfiguren sind nervöse,

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