Am Nullpunkt der Architektur

Feuilleton | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Die österreichische Altavantgarde sorgt auf der glanzlosen Architektur-Biennale in Venedig für Peinlichkeit

Bericht: Jan Tabor

Ach, wie wohltuend! Die Architektur auf dieser Architektur-Biennale tendiert gegen null. Die Materialität löst sich auf in sinnliche Wahrnehmung: Wärme, Kälte, Feuchtigkeit, Geruch, Stille ... Laut, hell, dunkel, schwer, leicht, glatt, rau. Rätselhafte Einblicke.

„Enjoy the view“ heißt die dicke Platte. Kaum ein anderer Beitrag versinnbildlicht die Stimmung auf der 12. Architektur-Biennale in Venedig so treffend wie der lapidare Block, den der österreichische Architekt Peter Ebner und seine mexikanischen Studenten an der entlegensten Stelle des Arsenals auf den Rand der Mole gelegt haben. Falls man ihn nicht übersehen hat, ist man fasziniert: Er biegt sich wie Wachs und ist hart wie Beton.

Ein Seufzen der Erleichterung hallt als Frohbotschaft in den besonders einfühlsam verfassten Zeitungs- und TV-Berichten nach, seitdem die von der Üppigkeit der vorangegangenen


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