Die ganzen Schmonzetten über Jiddn und Identität

Feuilleton | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Identität? Eine Groteske! Doron Rabinovici drückt in seinem Roman „Andernorts“ gehörig auf die Slapsticktube

Buchkritik: Klaus Nüchtern

Das waren noch Zeiten, als im Zuge von Verwandtschaftsfeststellungen oder Adoptionen Klassen- und Konfessionsgrenzen überschritten wurden und das Tor zu wahrer Humanität sich öffnete. Sogar erotische Attraktion wurde suspendiert und ansatzlos – „Ah! Meine Schwester! Meine Schwester!“ – in Geschwisterliebe zwischen einem Judenmädchen und einem christlichen Tempelherrn verwandelt, die ihrerseits als Metapher grenzüberwindender Menschenliebe fungierte: Alle Menschen werden G’schwister!

Dass es weder der bürgerlichen Aufklärung noch der Diktatur des Proletariats, ja nicht einmal den Esperantisten gelungen ist, die Menschen verschiedener Kontinente in ein freundliches Posthistoire zu führen, in dem die Dynamik von Klassen-, „Rassen“- und Verteilungskonflikten stillgestellt wäre, ist bekannt. Selbst in unseren ach so aufgeklärten


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