Prost!

Achtung: seichte Gewässer! Was könnte dieses Wässerchen trüben?

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Römerquelle Emotion Granatapfel

Stadtleben | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Römerquelle hat es im Laufe ihrer Werbegeschichte geschafft, die Botschaft der ménage à trois auch bis in die hintersten Ecken österreichischer Wohnzimmerlandschaften zu verkünden. War es anfangs eine Art Nachstellen von berühmten Gemälden – als plattes, schön anzuschauendes Reenactment auf Werbeniveau –, konzentrierte man sich hernach auf glatte Körper, die sich gegenseitig von stoischer Gelassenheit die Trauben in die Münder hievten. Sex sells. Auch wenn es da „nur“ ums Wasser geht. Vermutlich aus diesem Grund, des Mehrwertes wegen. Damit man nun auch im grauen Büroalltag etwas von dieser prickelnden Erotik abbekommt, hat man in Sachen Mineralwasser mit Geschmack auf die Liebesfrüchte Apfel und diejenigen aus der Familie der Granaten gesetzt. Erstere tritt in Kombination mit der weniger liebesfruchtigen, dafür sauertöpfischen Ribisel in Erscheinung. Als emotion Limited Summer Edition kann man seit Saisonbeginn zu den lachsfarbenen Flaschen mit Granatapfelgeschmack greifen, die versprechen, in einem die Leidenschaften zu wecken. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Frage wird sofort nach dem Öffnen der 1-Liter-Einwegflaschen aufgeworfen: Wie kommt man darauf, diesen Geschmack dem Granatapfel oder der Ribisel zuzuordnen? Apfel-Flavour ist ja an sich nicht allzu geschmacksintensiv, in dieser hochverdünnten Form erst recht nicht. Es geht vielmehr um die Idee eines Geschmacks, der mithilfe der schönen, verdächtigen Worte der Werbeindustrie beschworen wird. ms


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