Ins Mark

Helden sehen anders aus

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 36/10 vom 08.09.2010

Im Wahlkampf lässt sich Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) als Local Hero stilisieren, aber in Wirklichkeit, so offenbarte er bei einer Diskussionsveranstaltung, sei er gar kein Held. Das Geständnis war freilich überflüssig, es ist offensichtlich, dass in der Landespolitik derzeit wenig Heldenhaftes geschieht. SPÖ und ÖVP streiten sich, wem das Land gehört und wer den Streit in selbiges gebracht hat. Unterdessen stellte die FPÖ ein Anti-Islam-Spiel ins Internet, bei dem man Muezzine auslöscht und dafür Punkte bekommt. Die Öffentlichkeit war empört, der Bischof bezog Stellung, schließlich wurde das Spiel auf Antrag der Staatsanwaltschaft per Gerichtsbeschluss aus dem Netz genommen. Bloß Voves und Schützenhöfer zeigen weiterhin keine Berührungsängste, schließlich könnten die Rechten einen von beiden auf den Landeshauptmannsessel hieven.

Ein weiterer Tiefpunkt der vergangenen Woche: Unter dem Titel „So wird Steuergeld verpulvert“ wetterte die Krone gegen vergleichsweise sehr bescheidene Förderungen für drei gemeinnützige Vereine, die Migranten unterstützen. Tags darauf durfte der VP-Wirtschaftslandesrat im selben Blatt mehr Transparenz fordern und die Rechten über die Förderungen schimpfen. Stimmungsmache auf Kosten von Migranten und Vereinen, die diesen oft unter hohem persönlichen Einsatz und mit geringen Mitteln helfen – eine wahre Heldentat! Nun müssen die Vereine zudem vor Kürzungen zittern, die Regierung ließ alle Ressorts Vorschläge erarbeiten, wie sie bis zu einem Viertel ihrer Ausgaben einsparen könnten. Diese liegen nun auf dem Tisch, doch sie bleiben bis nach der Wahl geheim. Ganz schön mutig, was?


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