Die Füsse wundlaufen für den Kunsthype

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

In Wien findet das erste Gallery Weekend statt

Welche Events braucht eine Stadt, um als Metropole zeitgenössischer Kunst zu gelten? Eine Kunstmesse mit internationalen Teilnehmern zählt zur erforderlichen Grundausstattung. Auch eine Biennale wäre nicht schlecht, vorzugsweise an möglichst ausgefallenen Ausstellungsorten. Und wenn schon keine Biennale, dann zumindest eine „Art Week“ mit aus Übersee eingeflogenen Gästen. Seit in Berlin 2005 das erste „Gallery Weekend“ aus der Taufe gehoben wurde, wird auch dieses zum Standard. Nächstes Wochenende ist es in Wien erstmals so weit.

In Berlin balgten sich letztes Frühjahr hunderte Galerien darum, zu den 40 offiziell Auserwählten zu gehören. Tausende Kunstfreunde rückten aus dem Ausland an, um sich im Sinne des Hypes die Beine wundzulaufen. Auch Wien bietet Augenschmaus bis zum Umfallen: Auf der Liste des Gallery Weekends stehen nicht weniger als 29 Teilnehmer.

Der Startschuss für den konzertierten Saisonauftakt wird schon Freitagabend gegeben. Die Galeriencluster Eschenbachgasse und Schleifmühlgasse freuen sich dabei über Zuwächse: Andreas Huber eröffnet seine neue Galerie als Nachbar von Kargl, Engholm und Co; Carol Winiarzyk zieht vom zweiten Bezirk in die Eschenbachgasse. Die Galerie Martin Janda hat den mexikanischen Kurator Patrick Charpenel eingeladen, der lateinamerikanische Kunst präsentieren wird. Als berühmtester Künstler darf wohl der Chinese Ai Weiwei in der Galerie Christine König gelten.

Unter dem Titel „Next Generation“ ist der Galeristennachwuchs an einigen Orten selbst kuratorisch tätig. Künstlergespräche, Performances und Lesungen bereichern die Kunst, Cocktails, Galerienfrühstücke und -brunches stärken die Leiber. Ein Highlight könnte die Ghettoblasterparty werden, zu der Patrick Baumüller vor der Galerie Stock einlädt: Der Künstler bittet die Besucher, eigene Tonbänder mitzubringen.


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