Kritiken

Der Nibelungenmythos als Altmetall-Happening

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Justus Neumann gibt den kauzigen Einsiedler in seiner Werkstatt. In einem kleinen Zirkuszelt sieht er sich einem Publikum gegenüber, dem er gegen Speis und Trank „Das Nibelungenlied“ näherbringen soll. Als Protagonisten dienen ihm wie zufällig aus dem Altmetall geholte Objekte, die er zu Beginn gleich einmal – als Kurzfassung des Mythos – mit dem Besen erschlägt. Doch dann werden sämtliche Register theatraler Mittel aufgefahren: Dialekt, Reime, Wagner-Arien, Pyrotechnik, spielerische Wettkämpfe, Stummfilmszenen – und plötzlich bekommt der alte, blutrünstige Mythos eine mitreißende Eigendynamik. Einmal spielt Neumann etwa eine leidenschaftlich-derbe Sexszene, und im nächsten Moment gibt er dem Treiben mit den kunstvollen Maschinen von Greg Methé wieder eine zarte Note.

Dschungel, Fürstenhof, Fr, Sa, So, Do 19.30


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