Kritik

Sackgassen in künstlichen Gehirnen

Lexikon | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Eine sehr sprichwörtliche Umsetzung des Schwerpunkts „Mind and Matter“ wird zu Beginn der Ausstellung des diesjährigen Medienkunstfestivals paraflows geboten: Im Künstlerhaus flackern Bilder von Gehirnen, übergroß etwa aus dem Formenvorrat von Peter Kogler. Und so wie Koglers Symbol abgenützt wirkt, so bietet auch paraflows .10 enttäuschend wenig Neues. Das altbackene Thema scheint eine junge Generation wenig zu interessieren; zumindest treiben den Nachwuchs in dieser Schau andere Probleme als das Verhältnis von Hard- und Software um. Oder ist es überhaupt ein Irrtum, von paraflows State of the Art zu erwarten?

Hinreichlich bekannt sind jedenfalls ästhetische Spielchen mit abstrakten Mustern und Strömen, mal interaktiv, mal selbstgenerierend, wie sie die Videos und Animationen von Roman Kirschner, Herwig Weiser und LIA zu bieten haben. Das Ausstellungsthema nur peripher streifen die abstrakten Gemälde von Walter Gorgosilits alias Dextro, die mathematisch berechnet wurden. Auch die digitalen Fotografien des 2006 verstorbenen Zelko Wiener verraten keine Beziehung zu „Mind and Matter“.

Klassiker wie die Altmeister Jodi machen ebenso ihr Ding – Computerspiele manipulieren – wie etwa Gerold Tagwerker, von dem eine Lichtinstallation vertreten ist. Ungeklärt bleibt, warum Julian Palaczs Suchmaschine „algorithmic search for love“, die zunächst in der parallel laufenden Schau „space inventions“ zu sehen war, in den ersten Stock gewandert ist. Die Betrachter können dort über eine Tastatur einen Begriff eingeben, der dann in gefilterten Filmszenen gesprochen wird. Die vergnügliche Arbeit von Palacz wertet auch ihren neuen Kontext auf. Ansonsten bleibt sie ein weiteres Plus in einer zusammengewürfelten Schau, die ihren versprochenen Content nicht liefert. NS

Künstlerhaus, bis 10.10.


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