Buch der Stunde

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Ein bewegender Geniestreich aus Finnland

Sofi Oksanen, 1977 als Tochter eines Esten und einer Finnin geboren und in Helsinki ansässig, ist mit ihrem dritten Roman „Fegefeuer“ ein früher Geniestreich gelungen. Sie hat ein thematisch eigentlich hoffnungslos überladenes Werk über Estland im 20. Jahrhundert, über Kommunisten und Nazis, Frauen und Männer, Gewalt und Gegengewalt und – ja, doch – die Liebe geschrieben, das fast auf ganzer Linie geglückt ist; einen jener internationalen Bestseller, die auch noch Kritikerlob und Literaturpreise anziehen wie ein schönes Stück Wurst die Schmeißfliegen.

Apropos Ungeziefer: Wie virtuos Oksanen ihr Handwerk versteht, führt gleich die Eingangsszene vor: Eine alte Frau in der Küche eines verfallenen Bauernhauses in der estnischen Einschicht und eine Schmeißfliege – mehr braucht es nicht, um die Handlung effektiv in Gang zu setzen und den Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Der Weg der Fliege führt Aliide Truu ans Fenster. Vor


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