KunstKritik

Plattformen für ein klingendes Endspiel

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Aus Transportpaletten, verbeulten Blechplanen und viel Holz baut Albert Mayr alias Jonny Hawaii eine Landschaft verschiedener mit Baustellenscheinwerfern, Stroboskopleuchtfeuern und Neonröhren hinterleuchteter Plattformen und Bühnen ins Künstlerhaus. Arrangements aus jeder Menge an Computern, Bildschirmen, Lautsprechern, Mischpulten, Schlagins-trumenten und Ventilatoren gruppiert er zu einem „Orchester“, das seinem ursprünglichen Wortsinn, Tanzplatz rund um den Altar des griechischen, für allerlei Ausschweifung und Exzess bekannten Gottes Dionysos zu sein, näher ist, als einfach ein Musikensemble zu meinen. Obwohl „The Jonny Hawaii Orchester“ auch zur performativen Anverwandlung taugt und man hier also schon Musik erzeugen kann. Gar eine, die sich aus einem sehr analogen Zugriff auf die dem Setting einverleibten Hightech-Geräte wie Scanner, Fernseher oder Kopierer ergibttrotzdem sehr digital erzeugt klingt.

Daneben dokumentieren Zeichnungen, Malereien oder Videos verschiedene Nutzungsvarianten des ein wenig endzeitlich und wie ein Vergnügungspark für Jungrocker anmutenden Ensembles, das tatsächlich auch, am 2. und 22. Oktober, Gastbands zur freien Interpretation überlassen werden wird. Und ein Video zeigt verschiedene Aufbauvarianten der Ausstellung, die also keinen Anspruch an Letztgültigkeit stellt. Dass Mayrs Arbeit natürlich auch eine Kritik an technisiertem Medienzeitalter und Fortschrittsglauben impliziert, merkt man spätestens und fast ein wenig arg wörtlich am Brunnen, den er im Altarraum des Künstlerhauses aus diversem Elektroschrott errichtet hat. In brutalistischer Poesie wird High Tech auf Low Tech heruntergebrochen, Informationsflüsse plätschern dabei keine mehr.

Künstlerhaus, bis 14.11.


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