Vom Stübinger Bauernhof in das Schauspielhaus

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Anna Badora startet mit Arthur Miller ihre fünfte Saison

So schnell kann’s gehen." So fasst das Schauspielhaus in einem Satz jenes Stück zusammen, das nächste Woche in der Inszenierung von Intendantin Anna Badora die Saison am Grazer Schauspielhaus eröffnen wird. Die Rede ist von „Hexenjagd", einer Tragödie aus dem Jahr 1953, die wie kaum ein anderes Werk aufzeigt, welche gefährliche Dynamik fundamentalistische Regime entwickeln können.

Dabei ist das Stück des amerikanischen Dramatikers Arthur Miller (1915-2005), der aus steirischer Perspektive auch als späterer Gatte der Grazer Fotografin Inge Morath Bedeutung erlangte, vordergründig nicht einmal im „bösen" zwanzigsten Jahrhundert angesiedelt. Miller erzählt von jenen historischen Hexenprozessen, die im ausklingenden siebzehnten Jahrhundert im Ostküstendorf Salem verhandelt wurden. Nachdem ein puritanischer Pastor von okkulten Handlungen einer Gruppe von Mädchen erfährt, bricht im Dorf der Wahn aus. Die Mädchen beginnen, um ihre eigene Haut zu retten, andere der Hexerei zu beschuldigen. Letztendlich werden mehr als hundert Personen verhaftet und fast zwanzig Dorfbewohner hingerichtet. Millers Stück wurde seit seiner Premiere als große Allegorie der McCarthy-Zeit verstanden, als Intellektuelle und Wissenschafter, die bloß kommunistischer Sympathien verdächtigt wurden, massiv von US-Behörden verfolgt wurden.

Badora, so heißt es im Schauspielhaus, wird relativ nah am Originaltext bleiben und ohne explizite tagespolitische Verweise auskommen. Allenfalls beschäftigt man sich intensiv mit der fernen Vergangenheit. Um ein Gefühl für das damalige Leben zu vermitteln, ließ die Regisseurin bereits in historischen Bauernhöfen im Freilichtmuseum Stübing proben.

Schauspielhaus Graz, 23.9., 19.30


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