Meinesgleichen

Vorschnelle Erinnerung an Horst Pirker

Falter & Meinung | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Man ist ja schon froh, wenn man hier keinen Nachruf schreiben muss, sondern bloß einen Abgesang. Die Steiermark verzeichnete diesen Montag den Tag der Abgänge: Siegfried Wolf ging von Stronach zu Deripaska nach Moskau. Und Horst Pirker gab bekannt, er verlasse die Styria. Horst Pirker? Das Fleisch vom Fleische der Macht in Österreichs zweitgrößtem Medienkonzern, der Styria? Der Rafael Nadal der österreichischen Medienszene? Auch für Insider war die letzten Montag erfolgte Ankündigung Pirkers, den Hut als Vorstandsvorsitzender zu nehmen, verblüffend. Der Vorstand sei zwar schon des Längeren informiert gewesen, hieß es, dennoch muss es ordentlich geknirscht haben im Gebälk. Näheres war nicht zu erfahren (Seite 52).

Horst Pirker braucht noch lange keinen Nachruf. Wir werden ihn weiterhin im Mediengeschäft erleben. Im privaten Gespräch sagte er mir einmal, er wolle es noch einmal wissen, als selbstständiger Unternehmer. Das bleibt abzuwarten. Gesagt werden muss, dass man mit Pirker prima streiten kann. Selten teile ich mit ihm eine Meinung, aber das ist nicht so wichtig. Seinen Ansichten sind ganz offensichtlich Überlegungen vorausgegangen. Und er vermag sie auf einem Niveau zu vertreten, das für einen österreichischen Verleger nicht selbstverständlich ist. Vor allem kapiert er die Bedeutung journalistischer Unabhängigkeit für den Fortbestand aller Medien. Kurz, er weiß, was Journalismus ist. Wir werden ihn, wie gesagt, bald wiedersehen.

Horst Pirker war 26 Jahre bei der Styria, die letzten zehn als Vorstandsvorsitzender. Die Styria ist in Österreich (Kleine, Presse, Wirtschaftsblatt), Slowenien und Kroatien engagiert, beschäftigt 3500 Mitarbeiter und macht 454 Mio Euro Umsatz


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