Kolumne

Kuba & Fidel Castro: Ein greiser Diktator gibt sich selbstkritisch

Außenpolitik

Falter & Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Mit einiger Verspätung entzaubert sich jetzt auch einer der letzten Mythen des linken Internationalismus der Sechzigererjahre des vorigen Jahrhunderts. Das kubanische Modell des Sozialismus funktioniere auf Kuba selbst nicht mehr, sagt sein Erfinder Fidel Castro. Der 82 Jahre alte Revolutionär spricht die Wahrheit aus, auch wenn er jetzt behauptet, er hätte das ironisch gemeint und er sei vom Gegenteil überzeugt.

Castro ist also wieder zurück, nachdem er sich vor vier Jahren wegen einer schweren Darmerkrankung zurückgezogen und die Staatsführung seinem Bruder Raúl übergeben hatte. Jetzt überrascht er mit originellen Einsichten – seine Gegner schreiben sie einer fortschreitenden Senilität zu, seine Verehrer sehen sie als Bestätigung seiner ungebrochenen Fähigkeit zum unkonventionellen Denken.

So bedauert er seine Verantwortung für die Verfolgung der Homosexuellen und kritisiert den befreundeten iranischen Präsidenten Ahmadinedschad wegen dessen Antisemitismus. Ein Iran-Artikel


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