Ein angekündigter Tod

Politik | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Ein Afghane erzählt Asylbeamten von sexuellem Missbrauch – und landet in Schubhaft. Dort nahm er sich das Leben. Der Flüchtling wurde 16 Jahre alt

Bericht: Nina Horaczek

Es war ein Hilfeschrei. „In Schweden wurde ich mit einem Afrikaner in ein Zimmer getan, und ein Inder war im Parallelzimmer. Der Inder hat mich missbraucht“, sagte Reza Haidari bei seiner Einvernahme am Bundesasylamt in Traiskirchen. Das war am 20. Mai 2010. Zweimal wies der Asylwerber aus Afghanistan die Beamten auf den sexuellen Missbrauch hin. Trotzdem wurde der 16-Jährige in Schubhaft genommen. Er sollte nach Schweden abgeschoben werden, in das Land, in dem er um Asyl angesucht hatte – und in dem er angeblich missbraucht worden war. Laut Dublin-Verordnung werden Asylwerber in andere EU-Mitgliedsstaaten zurückgeschickt, selbst wenn sie minderjährig oder traumatisiert sind.

Zwei Monate nach der Einvernahme, am 19. Juli 2010, war Haidari tot. Er starb an den Folgen eines versuchten Selbstmords, den er in der


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