Nguyens Europa

Politik | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Sie träumten vom goldenen Westen, nun werden sie mitten in der EU ausgebeutet. In Tschechien schuften Vietnamesen und Ukrainer für einen Hungerlohn

Reportage: Ingrid Brodnig / Pilsen

Drei Euro und 60 Cent. Dafür steht Nguyen Thu Nhan* jeden Morgen um fünf Uhr auf, um sechs Uhr früh ist sie in der Fabrik. Für 3,60 Euro in der Stunde arbeitet sie, mindestens 200 Stunden pro Monat, wenn möglich 250 Stunden. Frau Nguyen schuftet aber nicht in einem asiatischen Sweatshop, sondern 200 Kilometer von der österreichischen Grenzen entfernt, in der tschechischen Stadt Pilsen. Hier werden Fernseher hergestellt. „Ich habe eine verantwortungsvolle Aufgabe, deswegen darf ich sitzen“, sagt die 22-jährige Vietnamesin. Viele ihrer Kollegen müssen am Fließband stehen. Sie aber sitzt, Stunde für Stunde bringt sie Aufkleber an den Bildschirmen an, Fernseher des taiwanesischen Herstellers Tatung.

Die Asiatin reißt sich um Überstunden, kauft für sich selbst nur das Nötigste an Lebensmitteln und


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