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Bücher, kurz besprochen

Politik | Julia Ortner | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Die Rückkehr der Logik

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von den Nationalsozialisten in die Emigration getrieben – die Mitglieder des Wiener Kreises, die Vertreter der sogenannten Wissenschaftslogik. Deren Vordenker wie Rudolf Carnap entwickelten die Wissenschaftstheorie in ihren Aufnahmeländern, vor allem in den USA, weiter. Die so entstandene Philosophy of Science fand nach dem Ende des Nazi-Regimes wieder zurück nach Europa. Im deutschen Sprachraum wurde die bis heute wirksame Schule der analytischen Wissenschaftstheorie von Wolfgang Stegmüller begründet. Der neue Sammelband „Vertreibung, Transformation und Rückkehr der Wissenschaftstheorie“ beschreibt die interessante Geschichte dieses wichtigen Teilgebiets in der Philosophie. Autoren aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und europäischen Ländern erzählen unter der Führung des Wissenschaftsphilosophen Friedrich Stadler von der Uni Wien die teilweise vergessene Geschichte der intellektuellen Rückkehr des logischen Empirismus in seine alte Heimat. Eine wichtige Rolle dabei übernimmt ab 1945 das Forum Alpbach, wo ehemalige Mitglieder des Wiener Kreises mit ihren Nachfolgern zusammentrafen. Das Buch ist Ergebnis eines mehrjährigen Forschungsprojekts, das auch bisher nicht erschlossene Quellen zur Entwicklung der Wissenschaftstheorie aufarbeitet – etwa den Nachlass des Philosophen Stegmüller im Brenner-Archiv der Uni Innsbruck.

Friedrich Stadler (Hg.): Vertreibung, Transformation und Rückkehr der Wissenschaftstheorie. Lit Verlag, 510 S., € 44,90


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