Mediaforschung

Warum sollen Bisexuelle bei Ikea shoppen, Herr Baschinski?

Nachfragekolumne

Medien | Julia Prummer | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Wer auf Vanvik schläft und einen Poäng im Zimmer stehen hat, der war nicht im Sexshop, sondern hat im schwedischen Möbelhaus Ikea ein Bett und einen Sessel gekauft.

Bis ins Vanvik schaffen es Florian und Susi, die Protagonisten des neuen Ikea-Spots, erst gar nicht: Kurz bevor die beiden am Küchentisch übereinander herfallen können, kommt Hubert unerwartet zu seinem „Schatzi“ nach Hause. Hubert weiß natürlich nichts vom heimlichen Techtelmechtel und so soll es auch bleiben; Susi versteckt sich im Küchenschrank. Ja, Susi muss sich verstecken, nicht Florian.

Dieser Spot ist der erste einer gazen Reihe, in der Ikea unterschiedlichste Typen von Menschen porträtiert. „Die Idee dahinter ist, aufzuzeigen, dass Ikea zu dir passt, egal wie du tickst“, erklärt Patrick Baschinski, Senior Account Manager der DDB, die den Spot produziert hat. Florian aus der Werbung braucht Platz, um auch Größeres – in diesem Fall Susi – zu verstauen. Die Werbebotschaft: Ikea geht auf deine individuellen Bedürfnisse ein. So präsentiert sich die Werbelinie der Marke laut Baschinski auch insgesamt: „Ikea will den Menschen das Leben verschönern und mit ihrer Unterstützung eine möglichst günstige Lösung finden. Mitwirken tun die Leute zum Beispiel, indem sie die Möbel selbst auf den Wagen packen, das erspart Zustellungskosten.“

Angst, dass der Spot mit dem bisexuellen Florian von homophoben Menschen abgelehnt werden könnte, hat Baschinski nicht: „Die Werbung soll kein gesellschaftspolitisches Statement sein, sie porträtiert wertfrei eine Person und stellt ihre Eigenheiten dar. Ikea ist ein Möbelhersteller, unser Ziel ist es, Möbel zu verkaufen.“ Werbung könne ohnehin nicht immer jedem gefallen, sagt Baschinski.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige