Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

U-Ertüchtigung und Rolltreppenzierzeilen

Früher sorgte der Staat im Großen und Ganzen dafür, dass wir irgendwann unsere Pension kriegen und bis dahin nicht abgemurkst werden. Heute steht Ersteres in den Sternen, weshalb uns der Staat in seiner Weisheit sagt, wir sollen bitte nicht rauchen, gesund essen und Sport machen. Weil wir sture Egoisten dies aber verweigern, hilft der Staat samt seinem Vollstrecker Wiener Linien ein bisschen nach. Zum Beispiel in der U1 Karlsplatz. Dort gibt es in Richtung Oper eine Rolltreppe, die verlässlich nicht funktioniert. Wie eine gebaute Zierzeile schläft sie einen ewigen Schlaf. Wir drängen also mit einer hundertköpfigen Menschenmasse auf die zweite Rolltreppe, turnen über Pensionisten, zertreten beinahe kleine Hunde, betäuben uns im immer empörteren Rechts-stehen-links-gehen-Singsang. Dann grinst uns am Rand des Fiaskos höhnisch eine Werbung der Gemeinde Wien entgegen: „Das beste Fitnessstudio ist eine Treppe.“ Warte nur, Staat! Du hältst dich wohl für witzig. Wirst schon sehen: Wenn wir oben sind, hauen wir uns auf der Stelle eine Käsekrainer rein.


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