Ins Mark

Im Café Potemkin

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Nur damit nicht einer schreibt, Kulturpolitik habe – eh klar! – im Wahlkampf wieder einmal keine Rolle gespielt. Hat sie nämlich. Nur hat es niemand bemerkt. Und damit ist nicht gemeint, dass die von der IG Kultur veranstaltete Diskussion mit den Kultursprechern der Parteien schlecht besucht gewesen wäre. Im Verhältnis zur Raumgröße war sie das nicht. Ob sie auch auch gut war, kann freilich nur beurteilen, wer sie bis zum Ende ertrug. Leider, wir nicht. Nein, Kulturpolitik findet gerade an anderen Orten statt: Im „schwarzen Panther“ in Liebenau zum Beispiel. Dort ist das Beta-Lab eingezogen, zwei Millionen darf das Kreativlabor in vier Jahren verbrauchen. Oder im Kunsthaus. Dort musste das Medienkunst-Lab ausziehen, um einem Designforum Platz zu machen. Oder im Jakominiviertel. Dort werden, damit nicht noch mehr Geschäfte ausziehen, vielleicht sogar die eine oder andere Kreativboutique zuzieht, die Straßen unter sorgfältiger Aussparung aller Kanaldeckel rot eingefärbt und attraktiviert.

Hierallfür wird kurz vor den Landtagswahlen sehr viel Geld lockergemacht. Würde man diese Maßnahmen als kulturpolitische deklarieren, es gäbe wüste Debatten: Wer braucht all die Labs und Foren? Stopp der Potemkinisierung! Gut also, dass es sich bloß um Kreativwirtschaftsförderung handelt. Die wird auch nicht über das SPÖ-Kultur-, sondern über das ÖVP-Wirtschaftsressort abgewickelt. Warum dann groß diskutieren?

Auch lustig: der Wunsch des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl (ÖVP), im Forum Stadtpark erneut ein Café einzurichten, damit auch ältere Leute wieder ins Forum finden. Kulturpolitik? Ach wo, bloß Kaffeehauskultur.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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