Phettbergs Predigtdienst

Ich „spüderle“ mein Leben lang

Kolumnen | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Direkt mit „Gewalt“ musste ich mein mir so lieb gewordenes Schlafpäuschen unterbrechen, um „aller Welt“ zu verkünden, was eh schon alle wissen: Ich bin ein Egoscheusal sonder Zahl! Ich lag schon in der gemütlichsten Traum-Medita-Kontempla-tion und musste dies alle wissen lassen, wie wenn es mir dann leichter gehen könnt.

Ich träumte von einem Kellner, der Stöße von Zeitungen herbeischleppen musste, um dann einem Gast stundenlang beim Knotzen auf dem Zeitungsstoß zuschauen zu müssen. Und mir kam dann vor: Der muss ich gewesen sein. Nein, ich sah nie Zeitungen in Kaffeehäusern durch und so, aber ich stellte mich „ad personam“ immer so in den Mittelpunkt, dass neben mir niemand mehr Platz fand und ich generell verworfen wurde. Ich wurde zu Recht verworfen und blieb un-li-iert. Mein Leben lang. Machen Sie „Familienaufstellung“ via meine „Gestion“, Duhsub. Es ist zu allem zu spät, ich verändere mich nimmer. Das ist eine Warnung, Duhsub. Meine Nothelfys sind von „Gott“ (den es nicht gibt) gesandt. Oder ein Teufel hetzt sie in meine „Falle“.

Nach meiner nächtlich protokollierten Notdurft roch ich Manuels Apfel. Gott sei Dank werd ich ihn lang noch nicht essen und an ihm riechen. So ein feiner Geruch, der mein ganzes Schlafzimmer zuduftet! Wird mir mein Hirn gewaschen? Alle, alle, alle sind so herzlich lieb zu mir!

Nachdem ich links liegend den Albtraum mit der Folterung des Kellners geträumt hatte, legte ich mich nach der Notdurft an die rechte Hirnhälfte und träumte, dass ich extrem viel ausdruckte. War dies meine Buße, da ich ja durchaus noch im arbeitsfähigen Alter wäre, 57 11/12 Jahre alt seiend?

Am meisten staune ich über mich selbst, wie traut ich in mir hause. Schon immer war meine Lieblingsbeschäftigung zu schlafen. NAC-HI hat mich am Donnerstag gefragt, ob ich schon als Kind viel mit mir allein war und vor mich hin plauderte? Vata sagte oft zu mir: „Tuast spüderln?“ (Tust du mit dir spielen?) Dabei blieb es mein Leben lang. Vorige Woche habe ich es auf 16 A4-Seiten Gestionsprotokolle gebracht. Ich staune jede Woche, dass ich das mit so wenig Kontent in diese Größenordnung aufblase. Woche für Woche. Ich „spüderle“ mein Leben lang.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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